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Prävention im Neubau

Zur Vermeidung von erhöhten Radonkonzentrationen im Gebäude sollten die Massnahmen auf die potentielle Belastung, die vor allem durch die „Anbindung“ des Gebäudes an das Erdreich entsteht, abgestimmt sein. Die Beschaffenheit des Untergrundes, also des Erdreichs unter dem Gebäude, ist dabei der wichtigste Einflussfaktor.

Mit einer einfachen Abschätzung lassen sich geeignete Massnahmenpakete evaluieren. Dazu sollte zuerst das Radonrisiko am Standort mittels der Radonkarte ermittelt werden. Die Radonkarte gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, am Standort den Referenzwert von 300 Bq/m3 zu überschreiten. Dabei gilt:

  • Wahrscheinlichkeit <10% = Radonrisiko gering bis mittel
  • Wahrscheinlichkeit >10% = Radonrisiko mittel bis hoch

Je nach dem, ob erdberührende Räume mit Personenaufenthalt geplant sind oder nicht, ergeben sich daraus folgende Massnahmenpakete:

 

Geologisches Radonrisiko gering bis mittel mittel bis hoch
ohne erdberührende Räume mit Personenaufenthalt Basismassnahmen Basismassnahmen und ergänzende Massnahmen
mit erdberührenden Räumen mit Personenaufenthalt Basismassnahmen und ergänzende Massnahmen Basismassnahmen, ergänzende und zusätzliche Massnahmen

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Basismassnahmen

Ziele sind eine möglichst luftdichte Gebäudehülle (insbesondere durchgehende Hülle aus Beton bei allen erdberührenden Elementen) und eine Reduktion des Unterdrucks.

Versorgungsleitungen von Strom, Gas und Wasser sowie Anschlüsse der Kanalisation bilden ideale Eintrittsstellen für Radon. Es ist von entscheidender Bedeutung diese Schwachstellen in der Gebäudehülle ausreichend abzudichten. Hierzu gibt es verschiedene Materialien welche unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.

  • Dichtungsmanschetten für Erschliessungsleitungen
  • Dauerelastische Kittmassen
  • Elastische Fugen- und Klebebänder

Besonders zu beachten ist die oftmals begrenzte Lebensdauer dieser Baustoffe. Die Applikation ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg und sollte von einer Fachperson durchgeführt werden.

Zuleitungen geothermischer Anlagen (insbesondere von Erdsonden und –register für Wärmepumpen) sind radondicht auszuführen. Werden die Anschlüsse wie hier im Bild vertikal durch die Bodenplatte geführt, kann bei undichter Ausführung Radon besonders leicht ins Gebäude gelangen. In Radonbelasteten Gebieten wäre, wenn möglich, eine horizontale Erschliessung durch die Seitenwände einer vertikalen vorzuziehen.

Wenn keine ausreichende Reduzierung der Radonkonzentration in den Kellerräumen erreicht werden kann, gibt es die Möglichkeit, die Kellerdecke sowie die Kellertür abzudichten und die bewohnten Räume vor dem Eindringen von Radon zu schützen. Hierbei muss beachtet werden, dass gasdichte Baustoffe verwendet werden. Flächig können gasdichte Folien angebracht werden. Für Türen können gasdichte, elastische Dichtungsprofile eingesetzt werden. Beide, Folien und Profile, können mit der Zeit verspröden und sind regelmässig auszutauschen.
Auch hier ist zu beachten, dass die Lebensdauer dieser Baustoffe oft begrenzt ist. Die Applikation ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg und sollte von einem Fachmann durchgeführt werden.

 

 

Eine aussenseitige Perimeterdämmung ist eine bewährte Konstruktion für den durchgängigen Wärmeschutz. Es sollte druckfestes Dämmmaterial verwendet werden (Schaumglas, EPS). Die Dämmung alleine bietet noch keinen erhöhten Radonschutz, sie muss daher mit einer gebäudeseitigen gasdichten Folie kombiniert werden. (Bildquelle links: Sika, Bildquelle rechts: Ampack)

Erdberührende Bauteile können zusätzlich geschützt werden, wenn sie aussenseitig abgedichtet werden. Dies kann zum Beispiel mit einer in der Baugrube verlegten gasdichten Dichtungsfolie erreicht werden. Diese dient primär dem Feuchteschutz, bietet aber auch einen ausreichenden Radonschutz. Hierbei gilt: Bauteile welche wasserdicht ausgeführt werden, sind meistens auch radondicht. Bei dieser Methode kann auf einen grossen Erfahrungsschatz des Feuchtigkeitsschutzes zurückgegriffen werden. Planung und Ausführung ist Sache von Experten. Diese Massnahmen sind angeraten, wenn das Radonrisiko relativ gross ist und die erdberührenden Elemente nicht durchgängig in armiertem Beton errichtet werden.

  • Dichtungsbahnen
  • Dampfsperren
  • Dichtungsschlämme und Anstriche

Wichtig ist, dass die Übergänge ebenfalls gasdicht ausgeführt und wenn möglich verschweisst werden. (Bildquelle: Sika)

Bodenplatte und Kellerwände können als wasserdichte Wanne (weisse Wanne) aus Stahlbeton konsturiert werden. In Gebieten mit Grund- und Sickerwasser ist dies eine bewährte Bauform. Derart konstruierte untergeschosse bieten einen guten Schutz gegen Radon. Je weniger die Wanne von Erschliessungsleitungen sowie Frisch- und Abwasserleitungen durchstossen wird, desto besser der Radonschutz. Bei Durchstössen sind horizontale durch die Seitenwände vertikalen durch die Bodenplatte vorzuziehen. (Bildquelle: Dow Building Solutions)

 

Eliminierung des Unterdrucks

Der im Gebäude herrschende Unterdruck ist hauptverantwortlich für die Sogwirkung, mit welcher radonhaltige Bodenluft ins Gebäude gesaugt wird. Die verantwortlichen Faktoren müssen identifiziert und soweit möglich eliminiert werden.

Wohn-, Aufenthalts- und Arbeitsräume mit Abluftanlagen in Toiletten und Küchen können relativ starke Unterdrücke erzeugen. Dieser Unterdruck kann sich auf das gesamte Gebäude auswirken, Für diese Lüftungsanlagen sollte eine Nachströmung mit Aussenluft geschaffen werden. Wichtig ist, dass diese ausreichend dimensioniert sind.

 

Kamine von Wärmeerzeugern (Gas- und Ölheizungen, Ofen, Cheminées) aber auch Versorgungsschächte können thermische Auftriebe verursachen und so einen Unterdruck im Gebäude erzeugen. Da wo sie Wände und Stockwerke durchstossen, sollten die aussenliegenden Fugen abgedichtet werden.

Aus Sicherheitsüberlegungen verlangt der Brandschutz bei Versorgungs- und Steigschächten eine Abdichtung zwischen den Stockwerken und Brandabschnitten. So kann verhindert werden, dass Feuer sich entlang der Schächte ausbreitet. Dadurch wird auch die Ausbreitung des Radons vermindert.

Gas- und Ölheizungen aber auch Cheminées und Öfen direkt in den Wohnräumen sollten für die Verbrennung mit einer direkten Aussenzuluft ausgerüstet werden. So kann die Bildung eines Unterdrucks im Untergeschoss oder den Wohnräumen verhindert werden. Diese Lösung ist auch aus Wärmetechnischen Überlegungen die beste.

Wird die Verbrennungsluft aus dem Keller oder Wohnraum genommen und durch den Kamin abgeführt, entstehen grosse Unterdrücke womit Radon ins Gebäude gelangt. (Bild links: SMUL)

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Ergänzende Massnahmen

Falls ein geologisch begründetes erhöhtes Radonrisiko bekannt ist und/oder die Gebäudestruktur, respektive die Nutzung der Räume dieses Risiko zusätzlich erhöht, sind ergänzende Massnahmen angezeigt.

 

Abdichten der bewohnten Bereiche

Wenn das Radonrisiko deutlich erhöht ist, können auch die bewohnten Bereiche gegenüber dem Untergeschoss abgedichtet werden. Hierzu wird eine Dichtungsschicht unterhalb der bewohnten Bereiche erstellt. Zusätzlich müssen auch die Türen zu den belasteten Bereichen mit elastischen Fugen abgedichtet werden.

 

Wasserdichte Bodenplatte und erdberührende Wände

Um den Schutz zusätzlich zu erhöhen, können die Bodenplatte und die erdberührenden Wände als wasserdichte Konstruktion der Dichtigkeitsklasse 1 nach der Norm SIA 272 «Abdichtungen und Entwässerungen von Bauten unter Terrain» erstellt werden.

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Zusätzliche Massnahmen – Lenkung von Luftströmen

Bei Standorten mit mittlerem bis hohem Radonrisiko und Bauten mit erdberührenden Räumen, in denen sich Personen regelmässig während mehrerer Stunden pro Tag aufhalten, sollen zusätzliche Massnahmen in Betracht gezogen werden, möglichst mit einer raumweisen Differenzierung.

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Zentraler Sammelschacht (Radonbrunnen)
Unterhalb der bestehenden Bodenkonstruktion werden ein oder mehrere Sammelschächte angelegt. Die radonhaltige Bodenluft sammelt sich im Schacht und wird abgesaugt und nach aussen geleitet. Ideal ist es, wenn der Untergrund eine hohe Permeabilität aufweist wie zum Beispiel Kies.
Einzelne Ansaugstellen (Radonbrunnen)
Wenn genügend Platz vorhanden ist können mehrere einzelne Ansaugstellen mit Rohren installiert werden um die radonhaltige Bodenluft abzuführen.
Radonbrunnen ausserhalb des Gebäudes
Wenn die Bodenbeschaffenheit genügend durchgängig ist kann die radonhaltige Bodenluft auch in einem Radonbrunnen ausserhalb des Gebäudes gesammelt und abgeführt werden, um die Radonkonzentration unterhalb des Gebäudes abzusenken. Diese Lösung ist sehr attraktiv da innerhalb des Gebäudes keine baulichen Massnahmen notwendig sind.

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Erfolgskontrolle

Am Ende des Projektes sollte unbedingt eine Referenzmessung durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die getroffenen Massnahmen ausreichend waren, um den Radonschutz zu gewährleisten und ein gesundes Wohnklima der Bewohner sicherzustellen.